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31.03.05

Die Stimmen der Heimat

Hörst Du es kratzen?

Schweizer reisen ja „schüüli“ gern und oft. (Fast) Keine Strassenecke in Toronto, kein Strandcafé in Hawaii, keine Hotellobby in Neuseeland, wo man nicht die so vertraut kratzenden Kehllaute der Landsleute vernehmen würde. Oft habe ich mich gefragt, ob denn überhaupt noch jemand zuhause ist und den Alltag in Gang hält.

Ganz anders jedoch in China. Hier sind Ausländer dünn gesät, und Schweizer statistisch vernachlässigbar (na ja, im Verhältnis zu 1,3 Milliarden…). Umso überraschter war ich, als ich gestern abend hier im Hotel in Hainan (ich bin noch 3 Tage länger geblieben als die „Reisegruppe Meier“) vom Nachbartisch akustisch stark heimatliche anmutende Gesprächsmelodien vernahm. Zuerst war ich mir wegen dem Gedudel der Philippinischen 2-Mann-Band (na ja, eigentlich ja 2 Personen-Band oder 1-Mann-1-Frau-Band, was soll’s…) nicht ganz sicher, doch eine der etwas zu seltenen Pausen brachte Klarheit.

Allerdings habe ich mir, als ich mich vorstellte, nicht vorgestellt, dass der Nachbartisch auch Nachbardorf in meiner Heimatgemeinde bedeutete: Die beiden Damen kommen aus Abtwil :-)

Zusammen mit der Reisegruppe Meier hätten wir ein St.Gallerfest feiern können.

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Posted by philipp.laemmlin at 02:29 | Comments (0)

24.03.05

Vordrängeln, schmatzen, auf den Boden spucken…

Willkommen in China!

Shanghai – scho fasch wiä dihai… Zum zweiten Mal bin ich nun bei Martin, Claudie und Dana zu Besuch – doch seit dem letzten Mal ist noch die Kaya dazugekommen. Sie erkundet die Welt schon ein wenig länger als ich sie umrunde. Eine Woche in ihrem Leben ist riesig – eine in meinem verhältnismässig kurz. Alles ist relativ, auch ohne Einstein.

Auf meinem Flug von Tokyo hierher ist mir die Globalisierung mal wieder so richtig bewusst geworden. Wir erhielten im thailändischen Flugzeug auf dem Weg nach China eine englisch verfasste Werbung für ein neues japanisches Auto – das Werbegeschenk war ein ziemlich edler Kugelschreiber mit einer – SCHWEIZER! – Miene drin. Nun, das hat mich wirklich erstaunt. Von Billiglohnländern umzingelt, aber die Kugelschreibermiene kommt aus der Schweiz. Und um das ganze abzurunden trocknete ich meine Hände auf dem Flughafen-WC von Shanghai unter einem deutschen Föhn mit original „umweltfreundlich“ Kleber drauf. Die Welt ist klein geworden.

Nach dem zurückhaltenden und über-freundlichen Japan habe ich schon ein wenig Mühe, mich wieder an das „Ich-zuerst“ der Chinesen zu gewöhnen. Strassenverkehr ist Darwinismus pur, gehupt wird wegen allem, gebremst für niemanden, Taxis rasen durch Menschenmassen auf den Fussgängerstreifen, der Stärkere nimmt sich, der Schwächere gibt nach. Auch beim Metrofahren gilt das Gesetz des Dschungels, Anstellen vor Schaltern ist Kampf und nicht Ordnung, Anstandsabstand ist unbekannt, sich öffnende Türen bedeuten den Startschuss für sich verkeilende Ströme von gleichzeitigem Rein und Raus – nur nicht gebrechlich werden hier… ! Auch Körperfunktionsgeräusche rütteln an den Grundmauern unserer Erziehung: Hochwürgen und Spucken, Schmatzen und Schlürfen, Rülpsen und Furzen… Willkommen in China.

Aber heute geht’s schon wieder weiter: Wir fliegen zusammen über die Ostertage nach Hainan. Diese Insel gilt als das Hawaii des Ostens. Also Faserpelz weg und wieder Kurze Hosen montieren :-)

Frohe Ostern allerseits!
Gruss aus Shangh-Ei

Posted by philipp.laemmlin at 04:59 | Comments (5)

15.03.05

Nix Kirsch, dafür Pflaume

Beginnender Frühling im Land der aufgehenden Sonne

Für die spektakuläre Farben- und Blütenpracht des „Cherry Blossom“ bin ich leider noch etwas zu früh, aber die Pflaumenbäume werfen sich dafür mächtig ins Zeug:

spring1.jpg spring2.jpg

Es sind nicht die grossen Unterschiede, welche das Land für mich so faszinierend machen (und von denen es bei genauerer Betrachtung gar nicht so viele gibt), sondern die kleinen liebenswerten Eigenheiten. Die viel beschriebene Freundlichkeit ist natürlich auch eine Maske, aber die gelebten täglichen Respektbezeugungen vor dem Gegenüber - zum Beispiel im zweihändigen „Empfangen“ der Banknote beim Bezahlen, oder im lauten Willkommenschrei beim Betreten eines Restaurants, oder dem gegenseitige Einschenken am Tisch, und sogar im permanenten überschwängliche Bedanken für alles und jedes – sind mehr als reine Floskeln. Sie sind durchaus bewusst ausgeführt und werden nicht ohne Stolz auch von den Jungen gepflegt.

Aber ich habe auch an Kleinigkeiten meine Freude. Zum Beispiel dem Antworten auf verneinende Fragen: „Hast Du noch nicht gegessen?“ – „Ja“ (meint „die Aussage stimmt“, also „ich habe noch nicht gegessen“). Doch im Englischen wie im Deutschen ist das anders. Bei genauerer Überlegung ist Deutsch besonders lustig, ist es doch gar nicht möglich, auf eine verneinende Frage ein „ja“ zu verwenden („nein, ich habe noch nicht gegessen“, oder „doch, ich habe schon gegessen“). Dazu kommt, dass wir verneinende Fragen lieben – was hier zu einigen Missverständnissen geführt hat. Oder Spezialitäten wie: dass beim Zählen von der offenen Hand zur geschlossenen Faust vorgegangen wir (wir öffnen sie beim Zählen), dass nie von etwas 4 Stück serviert werden (4 ist eine Unglückzahl), dass die Häuser kein Erdgeschoss haben (es wird mit 1. begonnen, der 2. Stock ist also unser erster), dass in Osaka die Leute auf der Rolltreppe rechts stehen und links vorbeimarschieren, aber in Tokyo eine Links-Steh-Rolltreppenkultur herrscht, dass mind. 50% der Toiletten keine Handtücher oder Händetrockner haben, dass es fast schon unanständig ist, wenn man Soba (eine Art japanische Spaghetti) nicht laut schlürfend einsaugt, nachdem man sie mit Chopsticks in Sojasauce getaucht hat, dass „man“ sich auf offener Strasse nicht schneuzt, etc. etc.

Mehr ein andermal. Hier noch was zum Thema „Land der aufgehenden Sonne“ (Tokyo heute früh):

sunrise1.jpg sunrise2.jpg

Special English Greetings to the "Flowers of Osaka" (Sorry, Ladies, but I can't write the site in two languages...): Ai, who is shy but talks to strangers in airplanes (thank you!) and showed me around in Osaka, Nara and Tokyo; Shoko, "the cook", who teached me how to prepare different kinds of food at the table - and later how to eat them; and Kiyoka (better known as "Sakeyama"), who knows all the best restaurants and bars in town and told me, which meals are "friends of beer". Thank you very much (arigato gozaimasu!) for your time (ok, running to reach the last subway is fun…), your kindness and your friendship. It was a great luck for me to have three so wonderful guides leading my first steps in Japan. And by the way: Switzerland is a nice travel-destination as well… :-)

Posted by philipp.laemmlin at 09:01 | Comments (5)

02.03.05

Und ich düse, düse, düse...: Japan !

Hier fünktioniert wieder alles - ausser mein Handy :-(

Also für alle, die auch ab und zu per SMS mit mir kommunizieren: Ich bin hier von den Segnungen der Mobiltelefonwelt abgeschnitten. Mein Triband-World-Handy (Sony-Ericsson, eigentlich steckt da ja Japan dahinter) arbeitet hier nicht (sniff). Das Roaming wäre seit kurzem gelöst - aber hier haben sie keine SIM-Karten, was mir auch nicht erlaubt, einfach ein cooles neues Teil zu kaufen und dann mega-in zu sein. Ich wär's grad mal für 3 Wochen... Egal. Geht auch so. Die SMS seit 28.2. mittags sind irgendwo in den Servern der Swisscom für mich gespeichert. Und wenn ich nicht antworte, bin ich weder sauer, noch rüpelhaft, noch unaufmerksam. Aber Emails krieg ich (und Comments auch...).

Japan - was für ein organisiertes Land. Ich als Bünzli-Schweizer hab mich natürlich schon auf dem Flughafen von Osaka sofort daheim gefühlt, weil er in einen grossen Bahnhof ausläuft, wo die Züge auf die Minute pünktlich abfahren und ankommen. Und mein Hotel liegt direkt an einem Hauptverkehrs-Knotenpunkt. Das ist der Blick auf Osaka aus meinem Zimmer:

osaka1.jpg osaka2.jpg

Der Grösste Schock ist die Temperatur: Aus wochenlang um die dreissig Grad und darüber direkt in den frühen Frühling mit Faserpelz und Jacke und langen Hosen und trotzdem kalt... Brrrr!

Heute Abend geh ich mit zwei Japanerinnen essen. Darauf freu ich mich gewaltig, denn ich hoffe mal, dass sie mich in ein so richtig originales Restaurant mitnehmen (und nicht, dass sie mir womöglich stolz ein Schweizer Restaurant zeigen wollen - direkt hier um die Ecke gibt's nämlich grad Spezialität "Swiss Fondue"...)

Posted by philipp.laemmlin at 06:00 | Comments (17)