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10.02.05
Internet im Outback (Finale)
In Alice Springs - verschwitzt nicht nur durch die Hitze
Heute kam ich wohl an eine meiner Grenzen. Ich muss gestehen: Mir war nicht mehr wohl in meiner Haut. Nein, das ist eine Philipp'sche Beschoenigung: Ich hatte einfach Scheiss-Angst...
Vom Touri-Dorf beim Uluru (=Ayers Rock) fuhr ich zum Kings Canyon und dann weiter Richtung Norden auf unasphaltierter Dreckstrasse, doch diesmal mit wenig Freude. 200 km Folter: "Wellblech" vom Allerschlimmsten, magenerzuernende Schlagloecher und Unebenheiten danach. Neben den alten verrosteten lagen auch drei frisch gestrandete Autoleichen am Strassenrand: Zwei mit Radschaden, Einer hatte sich in den Strassenrand gebohrt und dann ueberschlagen. War echt froh, als ich wieder Teerstrasse unter den Raedern hatte. Doch anscheinend hab ich das zu schnell wieder vergessen.
50 km vor Alice Springs kam ich an ein verlockendes Schild: Offroad Piste, 50 km lang, fuehrt durch eine malerische Schlucht und auf den Stuart Highway etwas mehr als 60 km von Alice Springs entfernt. Es war ca. halb sechs - das schaffen wir locker.
Ich biege also ab, komme an ein Hinweisschild mit roter Warntafel "Nur fuer 4x4 Fahrzeuge, da sandige Strecken etc. etc." Cool. Ich hab ja 4x4. Also los - und da war auch Sand auf der Strecke, unterschiedlich viel, vielleicht 10cm tief, was etwas Schlingern und Rutschen mit sich brachte. Spass pur also. Der enger werdende Pfad fuehrte in ein wunderschoenes Tal hinab, wo Red-River-Gum-Trees wachsen und zelten erlaubt ist (was niemand tat...).
So froehlich offroad cruisend komme ich einen Abhang zu einem Bachbett hinab - und mir fiel das Herz durch die Hose in den Pedalraum und voll auf die Bremse. Wasser war da keines, aber so 20 Meter feiner, lockerer, tiefer Sand. Hindurch fuehrten keine echten Spuren, mehr Furchen, wie mit zwei Riesenfingern gezeichnet. Oioioi, das kenn ich nicht, kann ich nicht, trau ich mich nicht. Klar bin ich schon durch tieferen Sand gefahren, aber dann immer ganz kurz und flach, so dass man mit Schwung der kinetischen Energie vertrauend druebergleiten konnte. Und auch Strandfahren zum Beispiel war voellig anders, weil der Sand da zusammengebacken ist und man nur wenig einsinkt. Bei diesem spitzen Anfahrtswinkel und der langen Strecke war nix mit "Anlauf nehmen". Ausserdem hatte ich heute bereits bei einem Wendemanoever schwungvoll ueber den Strassenrand hinaus meine Schwierigkeiten: Blomp, Auto steckte fest. Nur mit Muehe habe ich mich die 1.5 Meter zurueck auf die Strasse gespult.
Ok, denk ich so, dann eben nicht, hat ja niemand gesehen... ;-) Zurueck zum Start. Rueckwaertsgang rein - doch nichts bewegte sich, ausser dass sich die Raeder in den bereits sandigen Abhang eingruben. Mein Koerper simulierte innert Sekunden den Schweisszustand von "1 Stunde Joggen bei 35 Grad".
Ehrlich, ich kriegte ziemliche Panik. Da war ja auch niemand, dem ich eine paar coole, beruhigende Worte zur Widerspiegelung haette zuwerfen koennen. Haette das dringend gebraucht. Man ist ziemlich "nackt", wenn man sich nicht hinter einer herunterspielenden oder ironischen Bemerkung verstecken kann. Nun ja, es blieb mir also nur "vorwaerts" uebrig. Nervoes ohne Ende fummelte ich an den Gaengen rum: Nicht nur Allrad, nun auch Untersetzung rein, Antriebsautomatik auf "Hold" fuer Schnee, Eis und Sand (immerhin). Ich sah mich schon mittendrin stecken, meinen Flug nach Sydney verpassen, 2 Tage spaeter von einem Ranger gefunden werden... Hab mir bereits Ausreden zurechtgelegt, warum ich die Hinweisschilder, dass man Offroad-Pisten nur in Zweiergruppen befahren soll, nie gesehen habe oder nicht lesen konnte... und dass relativ kurz vor Sonnenuntergang eine solche Strecke zu beginnen durchaus vernuenftig sei...
Durch Sand zu fahren ist extrem unangenehm. Ich weiss nicht, wer von euch das schon mal "laenger" gemacht hat. Wenn man hinein faehrt, dann wird man sofort und kontinuierlich langsamer. Es gibt ja keinen "Grip". Die Raeder schaufeln Sand von vorne nach hinten, eine Radumdrehung bringt ein paar Zentimeter. Es kribbelt im Po und den Ruecken hinauf: Nur nicht stecken bleiben! Der rechte Fuss streichelt das Gaspedal: Anhalten waere schlimm, Durchdrehen und Eingraben noch schlimmer. Doch hier kommt die Praxis vor der Theorie.
Nun, ich kam durch. Und danach ebenso "unbeabsichtigt" noch durch einige weitere, sogar laengere und auch kurze tiefe. Es hat keinen Spass gemacht. Mehr als anderthalb Stunden hab ich für die Strecke gebraucht - dabei bin ich wo immer möglich gerast wie in Hirnloser. Hatte ziemlich Muffensausen. Natuerlich nicht lebensbedrohend oder so, aber aeusserst unangenehm schon. Seit der Abzweigung hatte ich kein Auto mehr gesehen, die naechsten, mir bekannten Siedlungen waren 70 und 90 km entfernt, der befahrene Stuart Highway mehr als 30 km durch unbekanntes Gelaende. Viel "alleiner" hab ich mich wohl noch nie gefuehlt. War so eine Grenze, die ich nicht ueberschritten haette, wenn mir noch die Wahl geblieben waere.
Ok, ich akzeptiere euer Schmunzeln, und auch "Memme" - aber nur, wenn ihr locker vor dem Fruehstueck ueber eine Sandduene kurvt.
Jetzt hab ich gut gegessen, mich mit Wein belohnt und freue mich aufs Bett. Morgen geht's nach Sydney - weg von den Fliegen und in dichter bewohntes Gebiet :-)
Sleep well!
Posted by philipp.laemmlin at 10.02.05 13:33
Comments
Lieber Philipp,
Als ich Deinen Bericht gelesen habe, hatte ich gleich ein Déjà-vue. Statt Outback nimmst Du eine Strasse zwischen Cooktown und Lara (QLD), 70km von der letzten Siedlung (3 Häuser) entfernt, kurz vor der Regenzeit, statt Sand ein Schlammloch und 2 Fahrer in einem Toyota RAV4. Wir haben zwar vor dem Schlammloch wieder gedreht, sind aber 200m dahinter in einer kleinen Pfütze steckengeblieben, die wir vorher ohne Probleme durchfuhren. Tja, nach 2 Stunden und 50cm rückwärts, noch immer im Schlamm steckend, begann es zu regnen und unser Schlammloch wandelte sich in 20 minuten in einen Bach, 1.5m tief. Den Motor auszuschalten war wie die Hoffnung aufzugeben. Also machten wir uns zu Fuss auf den Weg zurück, mit dem gesamten Gepäck und knapp einem Liter Wasser. Obwohl wir zu zweit waren, haben wir geschwitzt - und beruhigende Worte hatten wir keine - zu ernst war die Situation, darüber sprechen hätte die Angst nur noch vergrössert.... Nach gut 5.5 Stunden Wanderung kamen wir zu einem Schild "Normanby Station 5km" von der Strasse weg. Also noch eine Stunde und auf dieser letzten Strecke im Ungewissen, was uns denn genau auf einer "Station" erwarten würde - sicher kein Zug. Es waren zwei Häuser, ziemlich verlassen, aber es hatte einen Wassertank. Wir warteten ca. 2 Stunden, als ein Auto mit zwei Rangern kam, die nicht schlecht staunten, als sie zwei Leute auf ihrer Veranda sahen und weit und breit kein Auto. Sie meinten dann nur: "Glück gehabt, wir haben schon alles gepackt, um für die Regensaison (3Mt.) wegzufahren" - SIe haben uns dann auch ausgelacht, als sie hörten, wo wir unser Auto hatten - eine halbe Stunde in die andere Richtung wäre sogar eine ganzjährig bewohnte Station gewesen. Das hätten wir gewusst, wenn wir eine Karte dabei gehabt hätten. Lustig war dann auch das Nachspiel. Die Autovermietung hat dann unsere Kreditkarte mit 15'000 AUD belastet, da wir für Wasserschäden nicht versichert seien. Unser Anwalt hat uns dann nur gesagt, dass wir abhauen sollten und schauen, dass die Kreditkartenfirma nicht zahlen würde, rechtlich jedoch wäre die Autovermietung im Recht. Und das haben wir gelernt:
1. nie ohne Karte irgendwohin fahren
2. diese Schilder mit 4x4 Strassen bedeuten: Fahrverbot
3. Wenn man einen Schaden hat am gemieteten Auto: erst Kreditkarte sperren und dann die Vermietung informieren
4. Jeden Vermietungsvertrag für Autos ganz genau anschauen
Es ist schön zu sehen, dass wir nicht die einzigen sind, die die Weite Australiens nicht ganz ernst genommen haben! Freue mich auf die Fotos!
Liebe Grüsse
Françoise
Posted by: framboise at 12.02.05 13:51
herrlich! ja, so ist man in den erfahrungen wenigstens nicht allein. ausrücklich hingewiesen wurde ich darauf, dass "strandfahrten" ungedeckt seien... und wassermassen waren auf meiner strecke ins herz des landes nicht zu erwarten
Posted by: Philipp at 12.02.05 23:24
> 3. Wenn man einen Schaden hat am gemieteten Auto: erst Kreditkarte sperren und dann die Vermietung informieren
Hey, Moment, das ist aber auch nicht ganz fair - denn immerhin sind die im Recht und Ihr habt den Mist gebaut, oder? Nichts fuer ungut ...
Posted by: lazytom at 16.02.05 00:05
naja - über Fairness und Mist kann man sich streiten :-) Ich habe die Geschichte etwas gekürzt, um den geneigten Leser nicht zu langweilen :-) Aufgrund der mangelnden Aufklärung (trotz intensiver Nachfrage unsererseits) über Versicherung und Strassenkonditionen durch die Vermieter hätten wir vor Gericht wahrscheinlich doch eine gute Chance gehabt, bzw. hätten zumindest nur den Schaden zahlen müssen, nicht das ganze Auto - aber glücklicherweise werden wir es nie wissen.
(Wir haben dann auch die Geschichte gehört von den Schweizern, die einen Fluss mit dem Auto überqueren wollten, obwohl alle locals abgeraten hatten - und prompt war der 2m tief - wir haben dann die Bilder vom Auto gesehen, als es nach 4 Monaten aus dem Fluss geborgen wurde)
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Posted by: framboise at 16.02.05 16:04