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12.12.04

Nur ein totes Possum ist ein gutes Possum

Man braucht nicht Jäger sein, nur Sammler - und 50km neuseeländische Strassen ergäben einen prächtigen Pelzmantel

Es kommt einem vor, wie in einem Computerspiel: Man fährt über die Landstrassen und durch die Wälder Neuseelands – und überall Tiere, denen man ausweichen muss. Nur dass ich glaube, dass die Kiwis beim Possum draufhalten und nicht ausweichen: Dididing – 100 BONUSPUNKTE!

Mit der Idee des Pelzmantels hat alles begonnen. 1858 hat der Seefahrer Christopher Basstian die ersten Possums für eine Pelzzucht aus Australien mitgebracht – und kein Australier kommt hier um eine Bemerkung über den Ursprung dieser Tierpest herum… Heute bevölkern 70 Millionen dieser gefrässigen „Australier“ die Inseln. Sie schädigen Flora und Fauna, fressen am liebsten die Triebe der schönsten einheimischen Bäume, und machen auch vor den Nestern der einheimischen Vögel nicht halt. Die Bekämpfung ist bis heute erfolglos.
(Hier ein Link auf mehr Possum-Info - mit Foto, was ich nicht hab...)

Dabei war hier früher ein Vogel-, Insekten und Pflanzenparadies. Vor der Landung der ersten Siedler gab es keine Säugetiere (!) auf Neuseeland (ausgenommen zwei Fledermausarten). Die Vögel übernahmen deren Rolle: Moas (ausgestorbene Riesenvögel, flugunfähig, 3m gross und 250kg schwer) waren die „Schafe“ der Insel und grasten die Hügel ab, das stark gefährdete Wappentier, der Kiwi, nimmt die Rolle der Maus oder des Igels war und verspeist bodennahe Insekten. Aber auch zum Beispiel Schnecken werden hier handtellergross und verschlingen grosse Regenwürmer am Stück.

Dann brachten die Polynesier die ersten Nagetiere auf die Insel, welche sie als „Frischhalte-Snacks“ für die Überfahrt dabei hatten. Doch richtig schlimm wurde es erst bei der Besiedlung durch die Europäer, welche tief in das natürliche Gleichgewicht eingegriffen haben. Die einheimische Pflanzen und Tierwelt sah sich neuen Feinden gegenüber – vor allem für Vögel katastrophal, weil sie mangels natürlicher Feinde ihre Nester nicht auf Bäumen bauten, sondern einfach so am Boden, sozusagen ein kaltes Buffet für die eingeschleppten Säugetiere. (Als wären rücksichtslose Nutzholz-Rodungen, Robben- und Walabschlachtungen, Bodenbetrug an Einheimischen etc. nicht schon genug der Gastgeschenke gewesen…)

Schon auf Hawaii kam ich mit diesen Besiedlungs-Sünden in Kontakt: So vermehrten sich die auf Schiffen mitgebrachten Ratten fast ungehindert – weshalb man den Mungo einführte, um die Ratten zu fressen. Dabei „vergass“ man aber den kleinen Umstand, dass Ratten nachtaktiv und Mungos tagaktiv sind. Nun gibt’s von beiden viel zu viele. Oder eine gute Engländerin hat „Fountain grass“ – eigentlich eine zähe afrikanische Art – als Zierpflanze für ihren Garten mitgebracht. Heute ist fast ganz Big Island davon überwuchert, und das einheimische, nahrhaftere Gras weitgehend verdrängt. So gibt es zahllose weitere traurige Beispiele…

(Wer eine ganze Liste Siedler-Sündern an der Fauna und Flora von Amerika nachlesen will, findet sie im bereits erwähnten Buch „Lullaby“ von Chuck Palahniuk (nicht sein bestes übrigens…). In jedem Buch hat er gewisse thematische Obsessionen, denen er mit Detailbesessenheit frönt., in „Flug 2039“ sind es zum Beispiel Fleckenentfernung, Kunstblumen und sichere Diebstahlmethoden. Ist übrigens für Interessierte neben „Fight Club“ meiner Meinung nach der beste Einstieg in seine überdrehte Welt. Wer mit „Der Simulant“ beginnt, kann etwas „erschreckt“ werden… - sorry, Isa!)

Posted by philipp.laemmlin at 12.12.04 23:45

Comments

Hmmm, entweder ist Neuseeland wirklich verdammt weit weg, oder aber irgendwo in der Tiefsee dazwischen steht gerade ein besonders imposanter Krake auf dem Kabel... aber sämtliche Links zu ".nz"-Seiten verlieren sich nach viertelstündiger Suche in irgendwelchen tektonischen Spalten dazwischen. Vielleicht gibt es aber auch immer wieder Netzverkehrsunfälle zwischen linksfahrenden und rechtsfahrenden Bytes.

Übrigens gibt es auf Kauai'i ja einen botanischen Garten mit einer endemischen Pflanzenzuchtstation. Man muß fairerweise sagen, daß praktisch alle hawaiianisch-endemischen Pflanzen total blöd und langweilig aussehen. In dieser Pflanzenzuchtstation haben sie unter anderem den letzten mickrigen verbleibenden Baum seiner Art (weiß der Geier, welche Gattung). Leider getrenntgeschlechtlich. Nix also mit Baumnachwuchs. Der letzte andere war ihnen grad eingegangen. Hätte aber auch nix genützt, sie hätten höchstens 'ne adrette Schwulenhecke bilden können. Schon traurig.

Posted by: Andreas at 21.12.04 01:48

... vergiss die 12 stunden zeitunterschied nicht: unsere bytes hier pennen, wenn du in der blüte deiner täglichen aktivitäten stehst.


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Posted by: Philipp at 23.12.04 02:05

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